9.3. - Filmvorführung "Antifascist Attitude"

18 Uhr - Film

Filmvorführung: "ANTIFASCIST ATTITUDE"
76 Minuten / Russisch mit Untertiteln

Schon ein wenig älter, aus dem Jahre 2008, ist der Film »Antifascist Attitude«, produziert von Aktivist_innen der russischen Antifa-Bewegung. Der gut 70 Minuten lange Film besteht nahezu ausschließlich aus Interviews mit Aktivist_innen, die zum Großteil aus St. Petersburg und Moskau stammen. Zu Wort kommen viele Strömungen der russischen Antifa – vom gewaltfreien Menschenrechtsaktivisten bis hin zur militanten Aktivistin.
Die Macher_innen interviewten viele Menschen: von der Zeitschriftenmacherin zum Antifa-Hooligan, vom engagierten Rechtsanwalt (Stanislav Markelov, er wurde 2009 von Unbekannten ermordet) über SHARP- und RASH-Skinheads und Hardcore-Musiker_innen zum Leiter der Moskauer NGO »Sova«. In den Interviews mit den meist jugendlichen und subkulturell geprägten Aktivist_innen geht es zu einem Großteil um direkte Aktionen gegen Neonazis. Auch wenn die Interviewten teilweise klarstellen, dass zum Zeitpunkt der Dreharbeiten die Antifa sich in ihrer Stadt die temporäre Hegemonie auf den Straßen erprügelt hat, zeigen viele Beiträge, dass Nationalismus und Rassismus in Russland omnipräsent sind und sich die Neonazis auf diese verbreiteten Ideologien stützen können. Die Bagatellisierung rechter Morde als »Hooliganismus« durch die Sicherheitsbehörden kommt ebenso zur Sprache.
Der Film bietet viele Einblicke in die Verfasstheit der russischen Gesellschaft, die Passagen mit Stanislav Markelov gehören zu den interessantesten. Wohl vor allem durch die enorme Brutalität der russischen Neonazis und das den Antifas aufgezwungene heftige Konfrontationsniveau ist ein gewisser Tunnelblick der Militanten zu erklären, der in einigen Interviews deutlich wird, wenn erklärt wird, dass jedes antifaschistische Engagement jenseits der physischen Konfrontation sinnlos sei. Die manchmal etwas holzschnittartig anmutenden Statements einiger Straßenaktivist_innen sind vor dem Hintergrund, dass Neonazigewalt in Russland eine völlig andere Qualität als hierzulande hat und dass das Gefühl der antifaschistisch Aktiven, eine auf sich selbst gestellte kleine radikale Minderheit zu sein, bittere Realität statt selbstgewählter Pose ist, verständlich.
Hier lässt sich eindrucksvoll beobachten, wie die mörderische rechte Gewalt den Alltag der Jugendlichen bestimmt. In diesem Klima der ständigen Konfrontation ist nicht viel Raum für andere Politikfelder oder für Bündnisarbeit, vor allem mangelt es meist an der dazu nötigen Zivilgesellschaft. Umso beeindruckender sind die Statements der Aktivist_innen, die eine Vernetzung der Antifa mit anderen Bewegungen, wie zum Beispiel der ökologischen, als selbstverständlich ansehen und die angesichts der entmutigenden Situation trotzdem Utopien entwickeln und für diese kämpfen.

Im Anschluss ab 20 Uhr Küfa/Vokü